Wenn es einen Weg gibt, mehr Menschen für Technik zu begeistern, dann diesen!

Der CCC im CCH

Der Chaos Communication Congress 32C3 fand dieses Jahr im CCH in Hamburg zum Thema „Gated Communities“ statt. Es war erstaunlich zu sehen, wie sich ein seelenloses Kongresszentrum in eine gemütliche Höhle verwandeln kann, in der Menschen in Socken auf Teppichen sitzen und Kiffen. Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr verbringen viele gerne daheim, nicht so die Nerds. Neben Hacker-spezifischen Themen wurde auch anderen, gesellschaftlichen Themen und Kunst viel Raum gegeben. Leider war mein Aufenthalt nicht so lange, so dass ich nur wenige Vorträge angesehen habe. Wir haben z. B. gelernt, wie man einen Blackout im Stromnetz verursacht. (Ok, das mit der Anwendung würde mich doch vor Probleme stellen). Was mich begeistert hatte, war, dass der Anteil der weiblichen Sprecher bei gefühlten 50% lag. Hier einige Vorträge, die ich und andere auch für Nicht-Hacker empfehlen, die man sich auch online zu Gemüte führen kann:

  • Gloria Spindle vom charmanten Peng Collective stellt das Ausstiegsprogramm „Intelexit“ für Geheimdienstmitarbeiter vor. Vor einigen Jahren hatte ich das Vergnügen, das Kollektiv unter kuriosen Umständen kennen zu lernen (s. mein Re:publica Beitrag). Die Kampagne zielt humorvoll auf das Gewissen der Geheimdienstmitarbeiter und möchte sie dazu animieren, mit dem Doppelleben Schluss zu machen. Video zum Vortrag.Intelexit Vortrag CCC
  • Auszüge aus dem NSA-BND-Untersuchungsausschuss wurden in dieser Lesung wiedergegeben. Die Dichte an Erinnerungslücken und Schaustücken aus dem Kuriositätenkabinett ist kaum zu überbieten. Grundrechte gelten z. B. nicht im Weltall.
  • Der Vortrag darüber, wie Ebola in Afrika dank engagierter Hacker und Technik eingedämmt werden konnte.
  • Daniel Lange und Felix Domke sprachen über den VW-Skandal, schauten sich den manipulierten Code genauer an und machten einen Abgas-Mess-Selbstversuch.
  • Die Landesverrats-Affäre um Netzpolitik.org wurde interessant aufbereitet. IFG (Informations-Freiheits-Gesetz) ist Angriff, war das Motto dieses Talks.

Ein bisher nur online-Freund griff mich in der Kaffeeschlange auf und nehm mich mit zu einem Do-it-Yourself-Kaffeestand. Der Prozess dauerte wesentlich länger, aber das Ergebnis konnte sich nach einigen Anläufen sehen lassen. Nicht nur kulinarisch, sondern auch musikalisch wurde einem einiges geboten. Sutsche, RSS Disko und 20 weitere Musikkünstler nutzten die vorzügliche Musikanlage vorbildlich.

Schöne Deko auf CCC

Der Kreativität der Mitwirkenden sind lauter schöne Erlebnisse zu verdanken, seien es drollige Anrufe aus klingelnden Telefonzellen oder der Unisex-Toilettengang.

Ich habe meine Berufung dann aus logistischen Gründen nicht beim Trash Puzzle (Kunst Auflegen), meinem eigentlichen Ziel, sondern bei der Spiele-Beratung gefunden. In einem Glücksrad-Wohnwagen wurden Spiele erfunden und mit Interessenten professionell duchgeführt, eine ideale Kooperation für mein Glückshasen-Projekt. Spiele Erfinderinnen

Die Spieleberatung beim CCC spieleberatung

Auch dieses Mal habe ich es leider nicht geschafft, den Lockpicking-Workshop zu besuchen (lernen, wie man Schlösser knackt, ich bin ja eher so der analoge Typ), auch der Bondage-Workshop fand ohne mich statt.

Für die Kinder gab es eine einladende Spieleecke, wobei „Ecke“ sehr untertrieben ist. Die Kinder und Erwachsenen hatten das Vergnügen, gänzlich neue Spiele zu entdecken. Es gab z. B. ein Computerspiel, welches man via Stimme steuert.

Via VR-Brille habe ich dann noch einen Blick von oben auf das Chaos Communication Camp geworfen. Fotos von Menschen habe ich vor Ort nicht gemacht, Privatsphäre und so. Wer Probleme mit seiner Identität hat, dem wurde auch geholfen. Ich habe z. B. eine bisherige Online-Identität von mir nun mit Hilfe der Anfertigung eines seriös aussehenden Lichtbildausweises etwas realer werden lassen. Viele der unterhaltsam dargebotenen Inhalte haben einen ernsthaften Hintergrund. Der Kampf gegen Überwachung und für Freiheit und Anonymität ist allgegenwärtig und notwendig.

Ca. 1.700 Besucher haben sich vor Ort kurzerhand zum Helfen entschlossen und sich für Schichten aller Art einteilen lassen. Insgesamt war das Event ehrenamtlich organisiert, was großen Respekt verdient. Das Motto „be excellent to eacht other“ ist hier keine hohle Phrase.

CCC 2015 Spiel LED Jute-Beutel KatzeDer CCC in Hamburg Deko Neuland: Nagelstudio auf dem CCC Chaos communication Kopf Chaos Communication Kongress Gaming Area auf CCC HH